Unsere Chronik

Ein Blick in die Geschichte des Gesangvereins „FROHSINN OBERNDORF 1865“ 

Gründung: 1865 !

 Dies ist eine lange Zeit für einen Verein. Wie sah es denn damals aus in Deutschland? Nun, ein dt. Reich gab es da gar nicht, nur einen Flickenteppich von vielen kleinen Staaten. In Preußen herrschte beispielsweise König Wilhelm I mit einem gewissen Bismarck als Ministerpräsidenten, in Stuttgart hatte 1864 König Karl seinen Vater, auch einen König Wilhelm I, abgelöst, unter dessen reaktionär geführten Regentschaft sich eine liberale und demokratische Opposition im Land gebildet hatte.. Und wie sah es 1865 in dem kleinen Städtchen Oberndorf am Neckar aus? 1860 hatte Julius Jacob das Schultheißenamt von seinem Schwiegervater Ivo Frueth übernommen. Die wirtschaftliche Lage in der Stadt begann sich zu bessern, die Einwohnerzahl wuchs wieder und es war eine rege Vereinstätigkeit festzustellen. Und da verabreden sich im März 1865 12 junge Männer in einem Gasthaus, um einen Männergesangverein zu gründen! Ja wie denn das? In dem kleinen Städtchen mit nicht einmal 2000 Einwohnern bestand doch schon fast 20 Jahre lang ein solcher Verein, der Liederkranz! Spielten da etwa ständische Strukturen eine Rolle? War der „Liederkranz“ vielleicht eher ein „Honoratiorenclub“? Die Gründer des neuen Vereins scheinen hauptsächlich Handwerker und Arbeiter gewesen zu sein. Aber das ist natürlich nur Spekulation, wir wissen es nicht. 

Dem Protokollbuch ist in der Richtung nichts zu entnehmen. Aber da ist noch etwas Bemerkenswertes: Nur ein halbes Jahr später, am Kirchweihsonntag 1865, kann der „Frohsinn“, diesen Namen haben die Gründer ihm gegeben, seine Fahnenweihe feiern und – man höre und staune! – die Fahne ist gestiftet von (Zitat)„Oberndorfer Frauenzimmern und Frauen“. Dies in einer Zeit, in der Frauen kaum eigenes Geld besaßen, wenig in der Öffentlichkeit tätig waren, noch lange kein Wahlrecht hatten. Es lohnt sich, den sehr ausführlichen Protokollbericht wenigstens auszugsweise zu genießen: „ … an Schönheit und Solidität der Ausführung lässt die Fahne wie das Zubehör nichts zu wünschen übrig. Am Kirchweihsonntag vereinigen sich die 14 Festdamen, welche sich in weiße Kleider mit schönen schwarz-rot-goldenen Schärpen kleideten, im Gasthaus Bären. Der Anblick derselben war lieblich und der Feier des Festes geziemend!“ (Zitatende) In feierlichem Festzug ging es am Nachmittag mit Musik und den eingeladenen Gesangvereinen aus Sulz und Altoberndorf auf den Festplatz, den Wöhrd, wo die Fahne übergeben wurde, wobei die 13jährige Tochter des Apothekers Frueth einen Weihespruch vortrug: „Empfanget nun die neue Fahne, gestiftet von der Mädchenhand. Empfanget sie, mit ernstem Mahne umschlinge Euch ein Freundschaftsband. Heil dir, neuer Sängerbund! Gedeihe, wachse, strebe ans Ziel auf diesem Erdenrund, sei einig, bieder, lebe! Singet Lieder froh und munter, bis einst gehn die Sterne unter. Singt es weit durch alle Welt vom Neckarstrand bis an den Belt. Hoch lebe Deutschland, Fried‘ und Freude, hoch lebe Frohsinn, einst und heute!“ 

Die schwarz-rot-goldenen Schärpen der Festdamen, im württembergischen Oberndorf mit der Königlich Württembergischen Gewehrfabrik, der Hinweis im Weihespruch auf Deutschland vom Neckar bis zum Belt und die Zeile im gewählten Vereinswahlspruch „deutsch unser Lied“ könnten einer republikanisch-demokratischen Gesinnung mit dem Wunsch nach einem gesamtdeutschen Nationalstaat geschuldet sein, - Auch dies ist Spekulation! Wir wissen es nicht. Meine Herrn, den Vereinswahlspruch bitte: "Treu sei das Herz, Wahr unser Wort, deutsch unser Lied , Gott unser Hort." In den folgenden Jahren wuchs der Verein stetig. Das Protokollbuch zeigt eine eifrige Probenarbeit, zeitweise zweimal pro Woche, mit vielfältigen Auftritten im gesellschaftlichen Leben der Stadt und bei Festlichkeiten der Gesangvereine im weiten Umkreis. Bald gehörte auch obligatorisch jährlich eine sogenannte Fasnachtsunterhaltung dazu. Das war nicht nur ein fröhlicher Tanzabend, sondern da waren immer auch größere chorische Darbietungen im Programm. Ein besonderes Beispiel: 1877 wurde dabei die Oper „Preziosa“ von C.M. v. Weber aufgeführt; der Chor komplett kostümiert in Zigeunerkostümen. Interessant ist, dass bei den regelmäßigen Cäcilien- und Christbaumfeiern, bei den Jahreskonzerten des „Männergesangvereins“ meistens 2 gemischte Chöre, z.T. mit Instrumentalbegleitung, gesungen wurden. Die „Oberndorfer Jungfrauen und Frauen“ müssen wohl dem Frohsinn über die Fahnenstiftung hinaus eng verbunden gewesen sein, so dass immer die nötigen Frauenstimmen verfügbar waren! Ohne in einem Gremium des Vereins vertreten zu sein, natürlich ohne Stimmrecht! 

Einmal, in einem Protokoll des Jahres 1876 taucht der Eintrag auf: „Es wird bestimmt, in den Proben für „gemischten Chor“ die Auslagen für Getränke der teilnehmenden Frauenzimmer aus der Vereinskasse zu bestreiten!“- Na immerhin! Die Konzerte des Frohsinn werden immer anspruchsvoller und stellen schon etwas Besonderes im Musikleben der Stadt Oberndorf dar. So wird berichtet, dass beispielsweise beim Herbstkonzert 1910 Stadtpfarrer Brintzinger einen Vortrag hält über Silcher und Schumann, deren Kompositionen Programm waren, 1911, zum 100sten Geburtstag von Franz Liszt bei der jährlichen Cäcilienfeier bietet Brintzinger über eben diesen einen kurzen Abriss über Leben und Werk dar. Der 1. Teil des Konzertprogramms ist dann Liszt gewidmet, „um auch in Oberndorf“ – wie es im Protokoll heißt, -„ diesen großen Tonkünstler zu ehren!“ Man hat dazu als Solist den Konzertsänger Ackermann aus Schramberg engagiert, der einige Liszt-Lieder sang und am Schluss gab es das „Grande Valse di Bravura“ Op.6 für Klavier zu 4 Händen von Liszt, gespielt vom Dirigenten und seiner Tochter. Der voll besetzte Saal war begeistert und der Schwarzwälder Bote meint, der Frohsinn sei auf der Höhe der Zeit und im Stande, Großes zu bieten. Im nächsten Jahr gelang es, einen Violinvirtuosen der Pariser Oper in ein Konzert einzubinden. Dies mag nun exemplarisch genügen. Das Auf und Ab der Wirtschaft und der Zeitgeschichte wirkt sich deutlich auch in dem Verein aus. 

Der Chor hat 3 Kriege durchstehen müssen. Schon beim ersten, dem dt.-franz. Krieg 1870/71 lesen wir im Protokollbuch: „Es kam zu Geschäftsstockungen und zu einer gewissen Lähmung der Vereinstätigkeit.“ Schwerer traf es den Verein im1.Weltkrieg 1914-1918. Eine Reihe der Sänger wurde zu den Waffen gerufen. Die Familien hatten nicht nur die Sorge um das Leben des Vaters oder Sohnes, sondern die Abwesenheit des Ernährers brachte auch wirtschaftliche Not mit sich. Hier zeigte sich nun das solidarische und soziale Engagement des Frohsinn: Jeder Familie, deren Ernährer im Feld stand, wurde aus der Vereinskasse jeden Monat 5 Mark gegeben, den Soldaten selbst ein Liebesgaben-Päckchen im Wert von 3 Mark gesendet. Das Geld für die Päckchen wurde in den wöchentlichen Singstunden gesammelt. (Sie dürfen zur Umrechnung der Kaufkraft in Euro ungefähr den Faktor 5 benützen!) Gegen Ende des Krieges, als die wirtschaftliche Lage insgesamt schlechter wurde, konnte die Päckchensendung nicht mehr durchgehalten werden, die Unterstützung der Familien mit 5 Mark aber blieb! Ein schönes Beispiel für das enge und feste Freundschaftsband innerhalb des Chores! Mit Beginn des Krieges stoppt zunächst die Abhaltung wöchentlicher Chorproben. Man trifft sich jeden 1. Sonntag im Monat im Vereinslokal, Feldpostbriefe werden vorgelesen, Neuigkeiten werden ausgetauscht. 

Im November 1915 beschließt eine Vollversammlung wieder wöchentliche Chorproben. Das 50jährige Jubiläum kann aber nicht gefeiert werden. 1916 erweitert man die Liebesgabensendungen auch auf die passiven Mitglieder. 1917 sind dann keine Chorproben mehr, nur verzweifeltes Hoffen auf eine baldige und gesunde Heimkehr der Soldaten. Der monatliche Vereinsbeitrag wird allerdings um 20 Pf. erhöht, damit die notleidenden Familien stärker unterstützt werden können. 1920 beginnen wieder die regelmäßige Probenarbeit und die Konzertaufführungen. In Oberndorf gibt es jetzt 3 Gesangvereine, zu den beiden bestehenden kommt der Arbeitergesangverein Harmonie hinzu. 1923 nimmt sich der Frohsinn wieder ein größeres Werk vor: „Acis und Galatea“ von Händel. Man gewinnt für die Aufführung Frau Weishaar, Sopran, und Herrn Conzelmann, Bass, beide aus Stuttgart, und Herrn Vetter, Tenor, aus Oberndorf. Den Orchesterpart übernimmt der verstärkte Orchesterverein Rottweil. Der Erfolg der beiden Aufführungen ist so groß, dass das Orchester anregt, das Konzert in gleicher Besetzung auch in Rottweil aufzuführen, wiederum mit großem Erfolg. Eine kleine Notiz im Schwarzwälder Boten vor den Oberndorfer Aufführungen möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Da heißt es: “ Die Geschäftsleitung des Frohsinn sieht sich genötigt, bei den beiden Aufführungen jeweils am Saaleingang eine Nachzahlung von 5 Millionen pro Karte gegen Abstemplung dieser zu erheben.“ 5 Millionen pro Karte! Nicht schlecht! Und trotzdem volles Haus! Bei der Hauptversammlung am 6. März 1926 wurde den arbeitslosen Mitgliedern des Vereins vom Dirigenten 55 M gespendet, und zwar den verheirateten 10 M, den ledigen 5 M. Interessantes lesen wir im Protokoll vom Familienabend am 24. März 1926: „… und dann erfreute Fräulein Lisa Mann die Versammelten mit einem Vortrag über die Bedeutung der Atemgymnastik für die Sänger!“ Hört, hört! 1930 werden für unentschuldigtes Fehlen bei der Probe 10 Pf. Strafe erhoben. Ein Sänger wird aus dem Verein ausgeschlossen, weil er seiner Pflicht nicht nachkam. Er hat sich unzureichenden Probenbesuch zu Schulden kommen lassen! 

Am 2. Februar 1931 schreibt der Schwarzwälder Bote: „ … ein schönes Beispiel praktischer Nächstenliebe, der Frohsinn gibt in der Bergkirche ein Wohltätigkeitskonzert für die Erwerbslosen. 319 M können daraus gespendet werden. Die Übernahme von Regierung und Verwaltung durch die Nationalsozialisten wirkt sich sehr stark auf die Vereine, also auch auf den Frohsinn aus. Der Arbeitergesangverein Harmonie wird verboten, 20 Sänger von dort bitten um Aufnahme im Frohsinn und werden natürlich aufgenommen. Die Ortsgruppenleitung ordnet in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung die sog. Gleichschaltung an. Der nun neu zu wählende Vereinsvorsitzende, jetzt Vereinsführer genannt, muss Parteigenosse sein, genauso wie 51% des Beirats (des Ausschusses). Bei dieser und auch bei späteren Sitzungen ist meist ein Abgesandter der NSDAP dabei. Wichtige Beschlüsse müssen der Ortsgruppenleitung vorgelegt und von ihr genehmigt werden. Die Mitgliederversammlungen wurden auch früher mit einem Lied geendet, jetzt wird erst ein Siegheil auf den Führer Adolf Hitler ausgebracht und dann das Horst Wessellied oder Das Deutschland –Lied, natürlich nur die 1. Strophe, gesungen. Bei den ‚Veranstaltungen der dt. Erhebung‘ ist die Mitwirkung des Chores gefordert, wie z.B. auch bei der ‚Gedenkfeier für die toten Helden des 9. November 1923‘! (Für alle, denen dieses Datum nicht präsent ist: Da fand der Marsch der frühen Nationalsozialisten zur Feldherrnhalle in München und der fehlgeschlagene Hitlerputsch statt.) 

Am 28. März 1936 ist für den Frohsinn gemeinsames Hören der Hitlerrede im Schützensaal und am 29. März Wecksingen vor der Wahl angesagt! Dem Verein wird außerdem zur Pflicht gemacht, ein Marschlied einzuüben. Am 25. Juni 1938 wird auf Anweisung des OGL Priester eine Mitgliederversammlung einberufen: Beirat und Vorsitzender entsprechen nicht den Wünschen des OGL. Deshalb wird eine Neuwahl angeordnet! Von der Ortsgruppe wird wenig später gefordert, der Verein soll die 10 besten Sänger zur Verfügung stellen, die bei Anlässen der Partei singen sollen. Die Vorstandschaft windet sich erfolgreich heraus. Der Verein stelle sich ja ohnehin bei diesen Anlässen zur Verfügung und 2 Proben pro Woche seien zu viel. Mit Kriegsbeginn 1939 werden immer mehr Männer eingezogen, die Zahl der zurück bleibenden Sänger schmilzt. Die Auftritte werden damit weniger. Aber: am 24. 12. 1940 singt zum ersten Mal der Frohsinn-Männerchor im Altenheim und im Krankenhaus. Die Protokolle werden spärlicher und fehlen schließlich bis Kriegsende ganz. Die erste Notiz danach, am 10. Juli 1945, berichtet, dass in den letzten Kriegstagen, am 18. April 45, ein Sänger des Frohsinn, nämlich der Uhrmacher Ohnleiter bei einem Tieffliegerangriff in der Nähe von Saulgau gefallen ist. Die französische Militärregierung verbietet sämtliche dt. Vereine. Ganz inoffiziell treffen sich einige Sänger des Frohsinn immer wieder in einem Gasthaus u. singen miteinander. So kommt es dann auch, dass am 24.12.45 eine kleine Frohsinngruppe im Altenheim und im Krankenhaus einige Weihnachtslieder zur großen Freude der Insassen vortragen. Sie singen auch vor den beiden Weihnachtsbäumen vor dem Alten Rathaus und dem Geschäft Hoffmaier im Tal. Als die Genehmigung der Militärregierung zur Neugründung von 2 Gesangvereinen in Oberndorf eintrifft, verzichten die ehemaligen Mitglieder des Arbeitergesangvereins Harmonie auf eine Neugründung und schließen sich mehrheitlich dem Frohsinn an. 

Der Verein nimmt seine regelmäßige Proben- und Konzerttätigkeit wieder auf, und zeigt auch gleich wieder sein soziales Engagement durch Teilnahme und Liedbeiträgen bei Heimkehrerfeiern, bei Weihnachtsveranstaltungen für Flüchtlinge, und veranstaltet 1947 selbst ein Benefizkonzert zu Gunsten des Württ. Wohlfahrtbundes, aus dem dann 400 RM gespendet werden können. Der Wunsch, bei den Konzerten auch Chöre für Gemischten Chor darzubieten, führt schließlich 1948 zur Gründung eines Frauenchors innerhalb des Frohsinns, von den Männern nicht ganz einhellig begrüßt! Als der Frauenchor nämlich rasch starken Zulauf erhält, wird sofort ein Aufnahmestop ausgesprochen. Es gibt auch eine leidenschaftliche Diskussion über ein Stimmrecht der Frauen im Ausschuss. Die Wogen glätten sich dann wieder, wenn auch vom Austritt eines Sängers wegen der Aufnahme eines Frauenchores im Frohsinn berichtet wird. Der Frohsinn Oberndorf besaß also nun einen Männerchor, einen Frauenchor und damit auch einen Gemischten Chor, die unabhängig voneinander probten und auftraten, natürlich auch oft gemeinsam! (Chorvortrag „Ich stand auf Berges Halde …“) Mit der Übernahme des Chores durch Fritz Hägele intensiviert sich die Konzerttätigkeit und Mitwirkung bei Veranstaltungen der Stadt wieder. Es gibt Stadtgartenkonzerte, Mitwirkung bei den Gefallenengedenkfeiern, am Volkstrauertag, Singen an Weihnachten in den beiden Kirchen und das Singen am 24.Dezember in Altenheim und Krankenhaus wird Tradition. Einen besonderen Markstein setzte der Verein 1965, 100 Jahre Frohsinn Oberndorf! Der Chor hatte sich vorgenommen, als Höhepunkt der Feierlichkeiten Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ aufzuführen. Die Mauserwerke räumten dazu, unter erheblichem finanziellen Aufwand, ihre Lagerhalle aus, die ehemalige Klosterkirche. 

Der Verein musste die Stühle von verschiedenen Gasthaussälen und der Brauerei Graf erbitten und in die leere Kirche transportieren. Es ist heute nur schwer nachzuvollziehen, wie es gelang, ein so renommiertes Orchester wie die Stuttgarter Philharmoniker für das Konzert zu gewinnen – und zu bezahlen. Für den Chor und den Dirigenten war es eine riesige Herausforderung. Zu den namhaften Solisten, Herad Wehrung und York Lutz gesellte sich ein junger Tenor, der etliche Jahre zuvor selbst wie auch seine ganze Familie Sänger im Frohsinn war: es war der erste große öffentliche Auftritt Peter Beschs als Tenor-Solist. Die Klosterkirche war mit 1200 Zuhörern bis zum Rand gefüllt, der gem. Chor zählte 135 Sängerinnen und Sänger. Man möge mir verzeihen, wenn ich zu der Aufführung einen Ausschnitt aus dem Bericht Dr. Heyds vom Schwarzwälder Boten zitiere: „ … Nach einer so überzeugenden Leistung des großen gemischten Chores, der Stuttgarter Philharmoniker, der Solisten und des musikalischen Leiters fällt es schwer, sich der überschwänglichen Lobeshymnen zu enthalten. … Was der Chor während dieses Konzerts bot, übertraf auch die Erwartungen dessen, der die Proben der letzten Wochen beobachtet hat. Brausender Beifall eines reich beschenkten, dankbaren Publikums bewies, wie groß die Freude an diesem Abend mit Haydns Musik war. …“ Zitatende 1968 vereinbaren die Gesangvereine aus Altoberndorf, Beffendorf, Bochingen und der Frohsinn Oberndorf, jährlich einen Konzertabend gemeinsam zu gestalten. Im gleichen Jahr besucht uns die Liedertafel Oberndorf an der Salzach und begründet damit nicht nur eine feste Sängerfreudschaft mit regelmäßigen gegenseitigen Besuchen sondern auch die Städtepartnerschaft Oberndorf a. N. mit der österreichischen Marktgemeinde Oberndorf bei Salzburg. 

1974 wird wieder ein neues Kapitel in der Konzerttätigkeit des Frohsinn aufgeschlagen: Zu Weihnachten sollte sozusagen der Einwohnerschaft Oberndorfs ein Geschenk gemacht werden: der Frohsinn singt, ohne Eintritt zu verlangen, weihnachtliche Lieder, zunächst im Klosterhof; die Kirche ist noch nicht restauriert und für Veranstaltungen nicht verfügbar. Ab 1975 ist dann der Musikverein Stadtkapelle dabei und seit 1978 findet dieses weihnachtliche Musizieren der beiden Vereine jedes Jahr am 4. Adventsonntag in der Klosterkirche statt; eventuelle Spenden werden sozialen Einrichtungen übergeben. Der Kontakt mit ausländischen Chören wird erweitert. Durch Vermittlung des frankophilen OSD Besenfelder gibt es 1979 in Oberndorf ein gemeinsames Konzert von „ Les Chanteurs de la paix“ aus Verdun und dem Frohsinn. Im Jahr darauf startet der Chor zur Fahrt nach Verdun. Es ist für alle Teilnehmer ein eindrucksvolles Erlebnis, als Chor aus der „Waffenstadt Oberndorf“ in der Kathedrale von Verdun den Sonntagsgottesdienst mit zu gestalten und anschließend bei einem offiziellen Empfang im Rathaus der Stadt begrüßt zu werden. Auch der folgende Besuch auf den Schlachtfeldern von Douaumont, wo der Männerchor „Ich hatt‘ einen Kameraden“ sang, wird in bleibender Erinnerung sein. Die Verbindung mit einem weiteren Chor aus Verdun- Thierville, dem Chor „La clé des Chants“ mit gegenseitigen Besuchen hielt leider nur ein paar Jahre. Auch mit einem Deutsch-Kanadischen Chor aus Edmonton gab es durch Vermittlung der Oberndorfer Familie Hofer zwei Konzerte. 

Die Feier des 125jährigen Jubiläums nahte. Man mühte sich intensiv um neue Sängerinnen und Sänger. Leider erfolglos. Aus Sorge, das Ende des Chores aus Überalterungsgründen mit ansehen zu müssen, beschloss der Dirigent, im Frohsinn eine zweite Chorformation zu gründen. Diese neue Formation sollte modernere Chorliteratur singen, rhythmusbetont, eventuell auch fremdsprachliche Songs, kurz sie sollte vor allem auch junge Leute ansprechen und anziehen: „Die Frohsingers“ wurden gegründet. (Chorvortrag: I have a Dream) „I have a dream“, ja, ich hatte einen Traum, die Hoffnung mit diesem Chor das Fortleben des Gesangvereins Frohsinn zu sichern. Und der Traum schien auf zu gehen. Bald waren es über 50 junge Leute, die in die wöchentliche Probe kamen. Bei der Feier des 125jährigen Jubiläums waren sie dabei und im nächsten Jahr gaben sie ihr erstes eigenständiges Konzert. Sie unterstützten den gemischten Chor des Vereins und hatten bald selbst mehrere, z.T. herausragende Verpflichtungen: Sie waren beispielsweise 2001an einem sog. Modell-Konzert in Lauda- Königshofen und 2002 an einem solchen in Oberndorf beteiligt. Es waren dies Modell-Konzerte in Baden-Württemberg für das Zusammenwirken ‚Schule und Verein‘; bei uns war es ein Projekt der Tanz-AG des Gymnasiums mit den Frohsingers. Die Formation hatte weitere Auftritte, u.a. beim Chorfest der „Jungen Chöre“ in Möhringen und bei der Landesgartenschau in Bad Dürrheim. Einmal versuchten sie sich sogar im Opernfach: Die Sopranistin Regina Berner organisierte ein Konzert „Traummelodien der Oper, worin der Chor dann auch gewisse schauspielerische Partien zu meistern hatte, inklusiv einer Probe im Stuttgarter Opernhaus. Die Frohsingers sind inzwischen zahlenmäßig wieder etwas geschrumpft. 

Manche der jungen Leute sind durch Studium und Arbeit weggezogen. Heute ist ein fester Stamm von etwa 30 Sängerinnen und Sängern eifrig und begeistert dabei, interessante Arrangements von Liedern zu singen, die ihnen von unserer hervorragenden und liebenswürdigen Dirigentin Barbara ausgesucht worden waren und bei allen möglichen Gelegenheiten den sog. Gemischten Chor des Frohsinn zu unterstützen. Ich möchte am Ende dieses „Blick in die Geschichte des Frohsinn“ den Ring schließen, in dem ich nochmals zurück an den Anfang gehe: 12 junge Männer treffen sich, um einen Chor zu gründen. Vielleicht gibt es auch heute, im Jahr 2015, 12 junge Männer, oder mehr, die Lust zu chorischem Singen haben und zu den Frohsingers kommen. Dann braucht man keine Sorge um den Fortbestand des Gesangvereins Frohsinn und überhaupt um die Pflege der Chormusik in Oberndorf zu haben. Diesen jungen Leuten und natürlich Ihnen allen darf ich aus eigener Erfahrung und in fester Überzeugung versichern, Musik, vor allem selbst gestaltete Musik bereichert das Leben.

 

EMIL SCHMID (ehemaliger Dirigent)

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